Schluss mit mehr Fluglärm

Ostschweizer Tagblatt vom Freitag, 17. März 2006

Leserbrief zum Artikel «In der Sackgasse», 11.3.06

Auch der Regionalflugplatz Altenrhein möchte wachsen; natürlich «moderat», wie sich Volkswirtschaftsdirektor Josef Keller ausdrückt. Und siehe da, die Vorarlberger wollen «bestimmte Ausweitungen des Flugbetriebes» nicht hinnehmen; sprich, sie wollen keinen zusätzlichen Fluglärm. Und das passt der St. Galler Regierung natürlich nicht, muss man Altenrhein doch im Sinne der Wirtschaftsregion richtig positionieren. Da will man Lösungen zusammen mit dem Bazl suchen, ja sogar mit Verkehrsminister Leuenberger sprechen. Und wenn es mit den Vorarlbergern halt nicht klappt, wird man den zusätzlichen Fluglärm irgendwo über der Ostschweiz verteilen.

Für uns im Westen des Kantons, in der Region Wil/Hinterthurgau, tönt es doch ähnlich seitens der Zürcher Regierung. Moderater Ausbau des Flughafens, Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen, gerechte Verteilung des Fluglärms sind weitere Floskeln. Realität ist jedoch, dass das Bazl auf Antrag der Flughafenbetreiberin Unique Zürich-Airport und der Zürcher Regierung einfach verfügt und die betroffene Region im Osten mit dem zusätzlichen Fluglärm leben muss, seit unsere Politiker in Bern den Staatsvertrag mit Deutschland nicht ratifizieren wollten (mit laut hörbarem Resultat).

Es ist richtig, dass sich die Vorarlberger bezüglich Fluglärm nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Aber wie sieht es mit der Region Wil/Hinterthurgau aus? Wie kann sich die St. Galler Regierung glaubwürdig beim Bazl für ein strengeres (und damit lautloseres) Flugregime einsetzen (weniger Lärm vom Flughafen Kloten), wenn man gleichzeitig in der anderen Ecke des Kantons, in Altenrhein, einen Ausbau des lokalen Flughafens fordert und somit den Fluglärm forciert.

Für die Anwohner beider Regionen heisst dies wohl, selbst aktiv zu werden und von der Regierung nicht zu erwarten, dass sich diese für die Bedürfnisse der vom Fluglärm betroffenen Bevölkerung einsetzt. Die Region Wil/Hinterthurgau scheint bereits pseudo-wirtschaftlichen Interessen geopfert zu sein. Der Fluglärm wird also im Westen wie im Nordosten des Kantons St. Gallen zunehmen. Wehren wir uns als Betroffene mit allen rechtlichen Mitteln, unterstützen wir bereits bestehende Bürgerbewegungen und nehmen wir zur Kenntnis, dass die St. Galler Regierung für uns nichts tun wird.

Erstaunlich ist auch, dass unsere Politiker bis anhin nicht zu viel an Aktivität gezeigt haben. 2005 haben lediglich zwei Kantonsräte aus der Region Wil eine «dringliche Interpellation» an den Regierungsrat zu diesem Thema gestellt. Erinnern wir uns also an den nächsten Wahlen daran und wählen wir regionale Politiker, welche unsere Interessen vertreten und sich für eine gerechte Verteilung des Fluglärms einsetzen. Denn was da zurzeit bezüglich Fluglärmverteilung abgeht, müssen wir uns wirklich nicht bieten lassen.

Jürg Hotz Wilenstr. 24, 9500 Wil

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